Diss. ETH No. 15709

Regelung einer Wärmepumpenanlage mit Model Predictive Control

Roger W. Wimmer

2004


Zusammenfassung

In der Schweiz werden immer mehr neue Einfamilienhäuser mit Wärmepumpen ausgerüstet. Dank der sauberen und Resourcen schonenden Wärmeerzeugung entscheiden sich Bauherren und Hausbesitzer für diese Heizmethode, obwohl die Anschaffungskosten wesentlich höher sind als für eine konventionelle Ölheizung und durch die tiefen Öl- respektive hohen Strompreise eine Amortisierung dieses Mehraufwandes --- wenn überhaupt --- nur sehr langfristig möglich ist. Um die Akzeptanz der Wärmepumpe weiter zu erhöhen, müssen daher die Betriebskosten relevant gesenkt werden, zum Beispiel durch eine kostenoptimierende Regelung. Mit dem üblicherweise eingesetzten Zweipunktregler ist dies nur beschränkt möglich. Daher hat die vorliegende Arbeit zum Ziel, eine neue Regelstrategie zu entwickeln, welche unter Einbezug der Thermodynamik des Hauses, von Wetterprognosen sowie der Beachtung der Stromtarifstrukturen und der Sperrzeiten die Stromkosten senkt, ohne dass die Bewohner auf den gewohnten Komfort verzichten oder zusätzliche Sensoren montiert werden müssen.

Da eine Wärmepumpe nur im Ein/Aus-Betrieb arbeiten kann, muss nicht nur die zuzuführende Wärme optimiert werden. Auch der richtige Zeitpunkt zum Umschalten ist zu bestimmen. Unter Verwendung der Model Predictive Control-Theorie wurden dafür drei verschiedene Ansätze entwickelt. Der erste berechnet den Wärmebedarf mit einer algebraischen Lösung des zugrunde gelegten Optimierungsproblems und bestimmt das Stellsignal für die Wärmepumpe mittels Pulsbreitenmodulation bei fester Periodendauer. Durch eine Online-Optimierung und unter Beachtung der physikalischen Grenzen der Wärmepumpe bestimmt der zweite Ansatz den zu liefende Wärmestrom. Eine Pulsbreitenmodulation mit variabler Periodendauer erzeugt das Stellsignal. Beim dritten Algorithmus werden die Schaltzeiten direkt optimiert, so dass eine Zweiteilung der Lösung entfällt.

Bei Simulationen über ein Kalenderjahr werden gegenüber dem Zweipunktregler Kosteneinsparungen bis zu 13% erreicht. Wird als Ziel die Minimierung des Verbrauches an elektrischer Energie gesetzt, so ergeben sich Energieeinsparungen bis zu 3%. Dabei sind keine Einbussen im Komfort festzustellen. Auch sind beim Einsatz der MPC-Regler wie gefordert keine zusätzlichen Sensoren nötig.

Der erste Ansatz wurde in einer handelsüblichen Wärmepumpe implementiert und während mehreren Wochen in einem bewohnten Haus getestet. Dabei hat sich gezeigt, dass dieser Ansatz auch unter realen Bedingungen sehr gut funktioniert.

Abstract

In Switzerland, more and more new one-family houses are equipped with a heat pump. Owners choose this way of heating due to the heat production without environmental pollution. But the investment for a heat pump heating system is much higher than for a conventional oil heating system. Furthermore, prices for oil are low and prices for electrical power are high. Thus, the return of the extra investment is not granted. For a higher acceptance of the heat pump, the operating costs have to be lowered significantly ---- for example using a cost optimizing controller. Using commercial bang-bang controllers, this goal can be reached only within limits. Therefore, the object of this thesis is to develop a new control strategy. The thermal dynamics of the house, the weather forecast, the tariff structure and the power cut-off times are taken into account for the calculation of the cost-optimal heat pump operation without loss in comfort or need of extra sensors.

Due to the on/off way of operation of a heat pump, the controller has not only to calculate the required heat ow but also the optimal switching times. Three different control algorithms have been developed applying the theory of Model Predictive Control . The first approach is using an algebraic solution of the optimization problem to compute the required heat flow and a pulse width modulation with constant period to determine the on/off signal for the heat pump. Computing an online, optimization the second approach takes into account the physical constraints of the heat pump, and the on/off signal is calculated using a pulse width modulation with variable period. The third algorithm directly optimizes the switching times of the signal.

The results of a one year simulation show that a reduction of operating costs of 13% can be achieved. Minimizing the power consumption results in a 3% reduction of electrical power. All without loss of comfort and without use of any additional sensors.

The first controller approach was implemented in a commercial heat pump and tested for several weeks in an inhabited one-family house. The controller worked successfully under these real conditions, too.


Last updated: September 30, 2004

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